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Photovoltaik-Anlagen

Photovoltaik-Anlagen: Hochspannung- was tun im Brandfall?

Grundinformationen bei  -->Wikipedia

Man sieht sie immer öfter auf den Dächern: Photovoltaikanlagen. Was aus ökologischer Sicht durchaus zu schätzen ist, birgt für die Feuerwehr diverse Risiken – denn hier haben Sie es mit Hochspannung zu tun. Branddirektionen wie Unfallversicherungsträger setzen sich mit der Thematik auseinander und geben Ratschläge für den Einsatz am brennenden Objekt.

Photovoltaik-Anlage als Dachelement

Sobald Sie bei der Brandbekämpfung auf Photovoltaik-Zellen stoßen, müssen Sie berücksichtigen, dass es sich um eine elektrische Anlage handelt: Diese Solarzellen wandeln das einfallende Licht direkt in Gleichstrom um.

Die Merkmale einer PV-Anlage

Beachten Sie aber, dass es auch Solarzellen gibt, bei denen Elektrizität keine Rolle spielt: Solarthermische Anlagen wandeln das Licht in Wärme um. In den Kollektoren verlaufen Rohre mit einer Flüssigkeit, die der Erwärmung von Nutzwasser dient. Die ganze Fläche ist einfarbig, also ohne Rasterung, und eher klein. Meistens liegt sie unter zehn Quadratmetern. Bei Photovoltaikanlagen dagegen sind die einzelnen Zellen zu Modulen zusammengefasst, so dass der Eindruck einer Rasterung entsteht. Diese Anlagen sind in der Regel größer als 20 Quadratmeter.

Risiko Gleichstrom

Die Berufsfeuerwehr München macht auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam, das durch die Funktionsweise dieses Anlagentyps bedingt ist: Selbst bei Umlegen des Hauptschalters für die gesamte elektrische Anlage kann die Leitung zwischen den Solarzellen und dem Wechselrichter nicht abgeschaltet werden – sie liefert elektrischen Strom, sobald Licht auf die Zellmodule fällt.Dabei kann schon ein bedeckter Himmel, Mondschein oder gar eine Straßenlaterne eine gefährlich hohe Spannung erzeugen. Bis zu 1000 Volt Gleichstrom sind möglich, je nach Größe der Anlage und Schaltung der Module. Um die Stromerzeugung komplett zu stoppen, müsste also auch die Lichtzufuhr unterbrochen werden.

Beschäumung ist keine Lösung

Nur lässt sich die Sonne bekanntlich schwer abschalten. Die einzige Lösung wäre eine vollständige Verdunkelung der Zellen. Bei einem Test der Feuerwehrschule wurde ein Photovoltaik-Modul in verschiedenen Anstellwinkeln mit Mittelschaum, Schwerschaum und CAFS beschäumt. Sinn der Sache war, eine Spannungsfreiheit im Gleichstrombereich zu erreichen.Das ernüchternde Resultat bei allen eingesetzten Schaumarten: Spätestens nach fünf Minuten stellte sich die maximale Ausgangsspannung wieder ein. Damit, so resümieren die Experten, ist die Beschäumung einer PV-Anlage als Sicherheitsmaßnahme im Einsatz ungeeignet. Sie weisen darauf hin, dass unbedingt die Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen, die in den Vorschriften für elektrische Anlagen vorgesehen sind. Erforderlich sei außerdem eine entsprechende Gefahrenkennzeichnung für Kabelverläufe und Bauteile in Gebäuden mit Photovoltaikanlagen.

Risiko Bauweise

Die Bauweise hat noch weitere Schattenseiten: Da es keine konkreten Vorschriften für Photovoltaikanlagen gibt, werden Dächer oft komplett mit den Solarmodulen eingedeckt. Bei der Brandbekämpfung wirkt so eine Anlage wie ein Deckel, der den äußeren Zugang zum Feuer verhindert. Auch gibt es keine festen Standorte für Wechselrichter und Freischaltstellen – sofern überhaupt vorhanden. Eine Gefahrenquelle sind auch herabstürzende Teile: Die Befestigung der Solarmodule kann sich durch Brandeinwirkung lösen

Die Vorschriften beachten

Nach den Feuerwehr Richtlinien, müssen Sie bei Einsätzen in elektrischen Anlagen und in deren Nähe Maßnahmen treffen, „die verhindern, dass Feuerwehrangehörige durch elektrischen Strom gefährdet werden“. Dazu zählt auch die Verwendung geeigneter Hilfsmittel (isolierte Werkzeuge, Erdungsstangen, Kurzschließeinrichtungen, isolierende Abdeckungen, isolierende Schutzbekleidung...) und dem einhalten der Vorgeschriebenen Abständen!

Fazit

Eine Photovoltaikanlage ist eine elektrische Anlage, die Sie grundsätzlich als unter Spannung stehend betrachten müssen. Dennoch schätzt zum Beispiel die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord Risiko beim Einsatz als relativ gering ein. Sie müssen aber, auch im Zweifelsfall, immer die bekannten Sicherheitsabstände einhalten. Unabdinglich ist auch die gründliche Lager-Erkundung beim Eintreffen an der Einsatzstelle.Klären Sie immer ab, ob eine Photovoltaikanlage vorhanden ist, um auf die Gefahren entsprechend reagieren zu können. Idealerweise nehmen Sie mit dem Betreiber der Anlage schon vor einem Schadenfall Kontakt auf, um sich über ihre Besonderheiten zu informieren.


vielen Dank an die FF Prägraten

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 auch hier: LFV-Steiermark



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